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Was machen wir am Wochenende?

18.01.2016

Ein neues Jahr ist wieder voll dabei, durchzustarten. Die Familie ist aus dem gemeinsamen Urlaub zurück nach Hause gekommen, und bald geht der Alltag wieder los. Eine Frage haben wohl alle Eltern im Hinterkopf: Wie möchte ich eigentlich in diesem neuen Jahr als Vater, als Mutter meine Zeit zusammen mit den Kindern auf eine befriedigende Art und Weise gestalten?

 

Ich habe einen Anteil der Zeit für Büroarbeit und Hausarbeit zur Verfügung und einen kleinen Teil für das Spielen mit den Kindern. Vielleicht ein Besuch auf dem Spielplatz. Vielleicht 20 Minuten Playmobil, Lego oder Barbie spielen und es über sich ergehen lassen, dass die Räuber immer alle Schätze klauen oder die Barbie genau die Dinge anziehen muss, die die Tochter vorgibt. Diese 20 Minuten können sich ganz schön in die Länge ziehen und fühlen sich dann an wie eine todlangweilige Pflicht. Wie geht das also, entspannt als Familie zusammenzusein?

 

Indem man ab und zu ein, zwei Nachmittage oder das ganze Wochenende lang nichts in den Kalender einträgt und sich rein gar nichts vornimmt. Die Eltern müssen in dieser Zeit nicht unbedingt das tun, was die Kinder wollen (Playmobil und Barbie) und die Kinder müssen nicht das tun, was die Erwachsenen wollen (schön leise sein oder wahlweise mit sauberen Klamotten bei den Verwandten aufschlagen).

 

Als ich im Winterurlaub im Schleißheimer Schlosspark (Landkreis München) in der Sonne spazieren ging, fiel mir die Widmung eines Bruders an seine Schwester, an einer Bank angebracht, auf. Sie trug ein Zitat Lao-Tses, eines chinesischen Philosophen: „Nichtstun ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.“ Ich fand dieses Zitat interessant, weil es in unserer Gesellschaft sehr lange verpönt war, nichts zu tun. Nichts zu tun galt als asozial, weil man nichts aktiv zum Gemeinschaftswohl beitrug. Wer nichts tat, war auch nichts wert.

 

Auch heute hegen wir dem Nichtstun gegenüber große Skepsis. Wir wollen uns interessant machen für andere, vielleicht auch für uns selbst, indem wir interessante Dinge tun. Wenn man aber genau hinschaut, entstehen aus Stille, Leere und Langeweile heraus die schönsten Dinge. Das trifft nicht nur für den einen oder die eine Meditierende zu. Es stimmt auch für das Zusammensein in der Familie.

In ungeplanter, unverplanter Zeit passiert das, was eine Familie ein Zuhause sein lässt. Ruhen, Schlafen, Spielen, Essen, Lachen, Sprechen. Die Kinder gemeinsam betrachten und ihre reine Gegenwart genießen.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Was machen wir am Wochenende?