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Wie man Kindern hilft, selbstbewusst zu werden

18.02.2016

Als Eltern wollen wir, dass unsere Kinder glücklich und erfolgreich sind im Leben. Wir wollen, dass sie ihre Ziele erreichen, indem sie selbstbewusst in die Welt gehen und das Beste aus ihren Möglichkeiten machen. Wenn ein Kind sehr schüchtern ist oder wenn wir das Gefühl haben, dass andere es oft schlecht behandeln, wenn es nicht viel spricht oder nichts Neues ausprobieren will, machen wir uns vielleicht Sorgen, dass ihr Selbstbewusstsein nicht stark ist.

 

Es gibt zwei Quellen, aus denen sich das Selbstbewusstsein schöpft. Zum einen das Wissen darum, was man alles gut kann. Vielleicht kann ein Kind sehr gut Geige oder Fußball spielen. Vielleicht ist es sprachbegabt. Andere erkennen und schätzen diese Fähigkeiten und so bekommt das Kind Lob; später gewinnt es vielleicht Preise oder ist exzellent in seinem Beruf.

 

Die zweite Quelle ist für das Leben eines Menschen sehr viel grundlegender. Jesper Juul nennt sie: Selbstgefühl. Wie gut das Selbstgefühl ist, hängt damit zusammen, wie gut wir uns selbst kennen und ob wir das akzeptieren und annehmen als Teil von uns selbst, was wir von uns selbst wissen. Wenn eine Person mit einem guten Selbstgefühl etwas Neues ausprobiert und damit scheitert, ist das für sie kein Weltuntergang. Sie kann sich sagen: „Aha, darin habe ich keine Begabung. Ich kann mich anstrengen und es lernen. Ich weiß auch, dass ich in anderen Dingen gut bin.“

 

Wir kennen viele Menschen und Persönlichkeiten, die ein gutes Selbstbewusstsein haben, so lange sie in der Schule oder im Beruf erfolgreich sind. Schwindet dieser Erfolg aber, schwindet auch das Gefühl, etwas wert zu sein.

 

Wie bauen wir ein gutes Selbstgefühl in unseren Kindern auf? Sicherlich nicht, indem wir sie ununterbrochen loben. Ständiges Lob bläht das Ego auf, und die Kinder werden unfähig, wirklich etwas über ihre Fähigkeiten zu lernen. Wir tun es, indem wir ihnen ihre Gefühle und ihr Verhalten erklären. Indem wir ihnen Worte geben. Indem wir ihnen, egal was sie leisten, zeigen, dass sie für das geschätzt werden, was sie sind. Wenn ein Kind weint oder schreit, sollten wir es nicht dafür kritisieren, sondern etwas sagen in der Art von: „Ich sehe dass du gerade richtig wütend bist. Ich denke mir, du bist wütend, weil du …..“ oder: „Ich kann mir gerade gar nicht erklären, warum das so ist?“ So lernt ein Kind, was mit ihm los ist. Über die Jahre hinweg lernt es sich selbst kennen und kann alle Anteile seiner Persönlichkeit integrieren.

 

Wenn wir einen Anteil im Wesen unserer Kinder verdammen und zurückweisen, wird dieser Anteil auch vom Kind selbst, und später von dem Erwachsenen, der das Kind war, ebenfalls verdammt und zurückgewiesen. Solch ein Mensch fühlt sich oft verwirrt und von sich selbst entfremdet und kämpft viele Kämpfe mit sich selbst.

 

Wann können Sie ihr Kind gut leiden und wann nicht? Wie reagieren Sie, wenn ihr Kind so ist, wie Sie es nicht mögen? Es ist wunderbar und lohnenswert, sein Kind gut kennenzulernen, und neugierig und interessiert zu bleiben. Vermutlich erkennen wir in unseren Schwierigkeiten mit unseren Kindern auch die Schwierigkeiten, die wir mit uns selbst haben, wieder. Indem wir neugierig und anerkennend mit unserem Kind umgehen, wird es nicht nur selbstbewusst werden. Es wird uns auch helfen, mit uns selbst Frieden zu halten.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Wie man Kindern hilft, selbstbewusst zu werden