Link verschicken   Drucken
 

Kindern nach der Trennung beistehen

30.05.2016

Jedes Leben bringt kleine und große Schmerzen mit sich. Kleine Kinder haben Kratzer und blaue Flecken. Schöne gestaltete Pflaster und ein Tröstelied; im Arm gehalten werden; und es wird wieder gut.

 

Es gibt aber auch Schmerzen, die komplexer und weniger leicht zugänglich sind. Scheidungskinder tragen den Trennungsschmerz ihr Leben lang mit sich. Eltern, Verwandte und Freunde haben oft den Impuls, dem Kind das Positive im Leben vor Augen zu halten, wenn es traurig ist. Sie möchten es motivieren; sie möchten, dass es lacht.

 

Eine angemessenere Form, mit einem trauernden Kind in Kontakt zu treten, ist, ein wenig bei ihm zu sitzen. Sie können sagen: „Ich sehe, dass es dir nicht gut geht. Denkst du an Papa?“ Wenn das Kind nicht antwortet, ist das ein Zeichen, dass Sie richtig liegen. Sie können dann ein wenig von sich selbst erzählen. Wie war es, als jemand Sie verlassen hat, als sie ein Kind waren? Was tut Ihnen weh, und was tun Sie, um mit dem Schmerz leben zu können? Diese Fragen sind für Kinder sehr wichtig, und genauso wichtig ist es, die Antworten kennenzulernen, die Sie sich selbst gegeben haben. Es ist kein Problem, wenn Sie dabei weinen. Lassen Sie sich aber nicht von ihrem Kind trösten. Trocknen Sie sich die Tränen ab. Schauen Sie ihr Kind an und beobachten Sie, wie es reagiert.

 

Ein Erwachsener kann Einsamkeit wie ein Erwachsener aushalten. Er kann nachdenken; ein Gedicht schreiben; beten; an ein Grab fahren; zu einem Psychotherapeuten gehen oder einen guten Freund um Gehör bitten. Ein Kind braucht einen Erwachsenen, der Interesse an ihm hat und bereit ist, Schmerzgefühlen zu begegnen. Schmerzen halbieren sich nicht, wenn man sie mit jemandem teilt. Wenn ein Kind aber die Erfahrung macht, nicht mit ihnen allein zu sein, können sie im Laufe einer Kindheit von bedrohlichen Schattengestalten zu kleinen Schoßhunden werden.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Kindern nach der Trennung beistehen