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Und wer kümmert sich um mich?

01.02.2017

Es gibt viele Ziele, für die es sich lohnt, sich anzustrengen.

 

 

  • Wir wollen beruflich erfolgreich sein. Erfolgreich, das bedeutet: wir verdienen genug Geld, um uns selbst und im Zweifelsfall auch die Kinder versorgen zu können. Wir machen genau die Arbeit, die uns liegt und die eine Berufung für uns ist. Wir machen diese Arbeit nicht nur, sondern wir tun sie aus vollem Herzen und mit ganzen Engagement.

 

  • Wir wollen für unsere Kinder da sein und eine harmonische Zeit mit der Familie verbringen. Ist es nicht irgendwie unsere Schuld, dass sie im Ausland aufwachsen müssen? Und wenn der Partner müde ist, übernehmen wir natürlich.

 

  • Wir wollen schöne Kleidung tragen und ganz allgemein schick aussehen.

 

  • Wir wollen fit bleiben und treiben Sport.

 

  • Die Wohnung soll nett und sauber sein. Und arbeitet der Partner nicht viel mehr? Dann machen wir eben den kompletten Haushalt.

 

  • Wir engagieren uns ehrenamtlich. Besonders in Zeiten der Flüchtlingskrise.

 

  • Wir kümmern uns um unsere Eltern. Wir wohnen zwar weit weg, aber gerade deshalb sollten wir es tun.

 

  • Wir halten aktiv den Kontakt zu unseren Freunden aufrecht. Ganz allgemein wollen wir im Freundes- und Bekanntenkreis den Ruf haben, dass wir intelligent, lustig, spontan und gesellig sind.

 

  • Wir wissen, dass man am Besten selbst kocht – also machen wir das auch regelmäßig.

 

  • Zeit für sich selbst muss man auch haben: da sind Bücher ungelesen, ein Online Spiel will ausprobiert werden, und ein Blick in die Zeitung muss auch sein, besonders in diesen Zeiten.

 

  • Ein bestimmtes Interesse oder Hobby sollte man auch haben, man ist ja kein Banause. Ein Instrument spielen, oder zumindest regelmäßig in Kunstausstellungen gehen.

 

Die Liste ist endlos.

 

Unsere Kräfte sind es nicht.

 

Besonders Frauen stoßen im Alltag immer wieder an ihre Grenzen, ohne es zu merken. Wir machen uns selbst Vorwürfe, wenn wir Zeichen der Überforderung an uns feststellen:

 

  • wir fühlen uns häßlich

  • wir essen zuviel Süßigkeiten

  • wir trinken zuviel Alkohol

  • wir werden bitter und geben oft negative Kommentare ab

  • wir können nicht gut schlafen

  • wir fühlen uns schlapp

  • wir schreien die Kinder an

  • wir fühlen dem Partner gegenüber Abneigung.

 

Das neue Jahr ist ein guter Zeitpunkt, um die eigenen Prioritäten zu überdenken und den Alltag auch tatsächlich danach auszurichten. Das bedeutet, den anderen, auch Familienmitgliedern, oft freundlich eine Absage zu erteilen. Uns Frauen fällt das besonders schwer. Wir sind von Mädchenbeinen darauf trainiert, andere Menschen glücklich zu machen auf Kosten der eigenen Integrität. Aber es lohnt sich. Für die eigene psychische Gesundheit, und auch für Partnerschaft und Familie.

 

Es gibt viele Dinge, für die es sich lohnt, sich anzustrengen.

Es gibt aber noch viel mehr Dinge, zu denen „Nein, danke!“ zu sagen gleichbedeutend damit ist, sich selbst zu sagen:

 

  • „Meine Leistungen sind ausreichend.“

  • „Ich interessiere mich dafür, wie es mir geht.“

  • „Meine psychische Gesundheit liegt mir am Herzen.“

  • „Ich tue das, was in erster Linie mir selbst gut tut.“

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Und wer kümmert sich um mich?