Link verschicken   Drucken
 

Der Zauber des Anfangs

25.05.2017

Manchmal kann man den eigenen Partner oder das eigene Kind nicht mehr ausstehen. Wir fühlen so viel Enttäuschung, Wut, und vielleicht sogar Haß. Und unter diesen Gefühlen leiden wir ebenfalls, denn diese Gefühle sollten wir nicht haben, richtig? Und natürlich sind wir für diesen Zustand mitverantwortlich.

 

Wo anfangen, um etwas zu verändern?

 

Vielleicht ganz am Anfang. Wissen Sie noch, wie es war, als Sie ihren Mann zum ersten Mal gesehen haben? Wie neugierig Sie seine äußerlichen Attribute betrachtet haben. Seine Augen, seine Haare, seine Unterarme, seinen Po, seine Größe? Wie war es, als er Sie zum ersten Mal angelächelt hat? Ihnen das erste Kompliment gemacht hat? Der erste Kuss? Der erste Sex? Es war zauberhaft, nicht wahr? Ja, es war magisch.

 

Wissen Sie noch, wie es war, als Sie ihr Kind zum ersten Mal gesehen haben? Vermutlich haben Sie es erst gehört und dann gesehen. Hat es geniest? Hat es geschrien? War es voller Käseschmiere oder voller Blut? Erinnern Sie sich an das Gefühl, wie es war, ein Lebewesen mit Haut und Haaren zu lieben und es vor allen Gefahren beschützen zu wollen, solange Sie atmen? Wie war es, dieses Lebewesen, ihr Kind, endlich im Arm zu halten? Sein federleichtes Gewicht zu spüren? Den rasselnden Atem aus den winzigen Nasenlöchern? Wie war es, das erste Mal zu Stillen oder das Milchfläschchen zu halten? Erinnern Sie sich an die gierigen, tönenden Schlucklaute? Und das Gähnen, das ein wenig nach Milchsäure roch? Waren Sie sich da nicht sicher, dass Sie nun den Sinn ihres Lebens kennen?

 

Erzählen Sie ihrem Kind davon. Erzählen Sie ihrem Partner davon. Diese ersten Momente sind wie Magie, und Sie dürfen den Rest ihres Lebens davon zehren. Ein Teil dieser Magie ist noch da, und wird Ihnen helfen, für Ihre aktuelle Beziehung Kraft zu schöpfen.

 

Mein Sohn liebt die Geschichte von seinem ersten Geräusch auf der Welt, es war ein Niesen. In diesem Moment war ich ganz bei ihm, und in diesen Moment haben sich die Wurzeln meiner Mutterliebe für immer festgekrallt. Sie geben mir Kraft, bei jedem unserer Konflikte neugierig und liebevoll zu bleiben (oder immerhin bald danach).

 

Und wenn ich von meinem Mann enttäuscht bin und mich frage: „War das schon immer so schwierig mit ihm?“, lautet die Antwort: „Nein, war es nicht. Als ich noch nichts erwartet habe und auf alles neugierig war, was von ihm kam, war alles leicht und liebevoll.“ Und diese Haltung kann ich mir innerhalb von Sekunden zurückholen.