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Das liebevolle Nein

08.10.2020

Bild Nein Blog 2

 

Liebevoll „Nein“ sagen

 

Eine der wichtigsten Fähigkeiten, um deine Integrität zu schützen und damit die Würde deiner Person, ist, einem anderen Menschen etwas abzuschlagen.

 

„Nein“ sagen ist etwas, das du vielleicht wirklich nicht gut kannst. Es ist eine hohe Kunst.

 

„Nein“ zu sagen wird im sozialen Kontext negativ bewertet. Es ist einfach nicht nett. Du setzt dich der Gefahr aus, Außenseiter zu werden. Weniger oder nicht mehr gemocht zu werden. Du riskierst, dein Gegenüber zu verletzen und eure Beziehung zu beschädigen. Soweit das althergebrachte Denken über das „Nein“.

 

Deshalb holst du das „Nein“ nur in ganz besonderen Situationen hervor. Bei Notfällen. Wenn dich andere quasi dazu zwingen. Kinder sind besonders gut in der Lage, ein „Nein“, das du gar nicht sagen müssen solltest, zu erzwingen. Wenn dein Kind dich zum zwangzigsten Mal fragt, ob es fernsehen darf oder noch eine Süßigkeit essen, platzt dir der Kragen und du holst richtig weit aus, um zu erklären, warum es die Schuld des Kindes ist, dass du nun heftig und lange „Nein“ sagen musst.

 

Aber auch deine/n Partner/in findest du frech, wenn er/sie zum vierten Mal in dieser Woche Sex will oder essen gehen will, oder mit dir zu seinen/ihren Schwiegereltern fahren will. Du willst ihm/ihr verklickern, wie unverschämt er/sie ist. Dass es unverschämt ist, kommt als einziger Grund in Frage, warum du dieses furchtbare „Nein“ hervorholen musst. Oder?

 

Nein. Nein, es ist nicht so. Das „Nein“ markiert die Grenze zwischen deinen Lieben und dir. Das „Nein“ schützt dich davor, dich selbst im anderen zu verlieren. Es macht dich sichtbar für dein Gegenüber. Es ist ein Beziehungsangebot, denn wenn dein Gegenüber weiß, wo du bist, kann er/sie auf dich eingehen.

 

Das „Nein“ ist also ein Geschenk von dir an andere, das aber erst mittelfristig seine konstruktive Wirkung entfalten kann. Wenn du es aussprichst, ist es sehr wichtig, auf welche Art und Weise du es tust. Falsch eingepackt, wird dieses Geschenk zu Gift. Es muss klar sein, dass es ein sehr persönliches „Nein“ ist, nämlich deines im Hier und Jetzt. Was kannst du also konkret tun, damit dein „Nein“ sämtliche schädlichen Zusatzstoffe verliert?

 

Hier sind meine Tipps für dich.

 

  1. Atme ein und aus und mache dir klar, dass du ein Geschenk überreichen wirst, das von deinem Herzen kommt. Vielleicht kannst du dein Gegenüber sogar liebevoll anschauen und lächeln (für Fortgeschrittene).

  2. Mach’ es kurz. „Nein, ich möchte das nicht“ reicht. Wenn du kannst, begründe es nicht. Je länger deine Begründung ausfällt, desto mehr wird dein Gegenüber das Gefühl bekommen, dass du ihm/ihr die Verantwortung für dein „Nein“ zuschiebst.

  3. Nun wendest du deine Aufmerksamkeit deinem Gegenüber zu. Er/sie wird nicht glücklich sein. Akzeptiere das. Er/sie braucht Raum für seine/ihre Frustration. Dein „Nein“ gehört dir, und seine/ihre Frustration gehört ihm/ihr, und das ist die Situation, in der ihr euch nun befindet. Das ist in Ordnung. Die Situation ändert sich auch wieder.

 

Das liebevolle „Nein“ wird mittelfristig eurer Beziehung sehr, sehr gut tun. Übe es, wann immer du kannst.