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Deine Sprache der Liebe

10.05.2021

Welches ist deine Muttersprache? Du denkst jetzt an Deutsch, oder Englisch. Ich meine aber eine andere, non-verbale Sprache. Ich meine deine persönliche Sprache der Liebe. Gary Chapman gab in den 90er Jahren Paaren weltweit Worte für die Art, wie sie Liebe ausdrücken und empfangen können. Und auch heute empfehle ich „meinen Paaren“, ihre Sprache der Liebe herauszufinden.

 

Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, Menschen zu helfen, ihre persönlichen Bedürfnisse in ihrer eigenen, persönlichen Sprache auszudrücken. Es ist manchmal gar nicht so einfach, herauszufinden, was man sich denn in einem konflikthaften Moment oder einer Partnerschaft, die gerade durch ein Tief geht, vom/von der Partner/in wünschen soll.

 

Stell’ dir folgende Szenarien vor.

 

  1. Von heute an sagt dir dein/e Partner/in jeden Tag, was er/sie an dir gut findet. „Du siehst heute zum Anbeißen aus!“, „Es war sehr schön mit dir zu sprechen, danke!“; „Ich bin stolz auf dich, wie du das alles unter einen Hut bekommst!“, oder du bekommst eine what’s app-Nachricht mit einer Liebesbotschaft und einem süßen Bild, in der steht, dass du ihm/ihr alles bedeutest.

  2. Dir fällt in den nächsten Tagen auf, dass dein/e Partner/in deine Nähe sucht. Morgens bekommst du als Erstes eine Umarmung und einen Kuss. Wenn er/sie heimkommt, zieht er/sie sich nur die Schuhe aus und wäscht sich die Hände, aber dann kommt er/sie direkt zu dir und nimmt dich in seine/ihre Arme. Wenn er/sie an dir vorbeigeht, streicht er/sie dir über die Haare  oder über deine Hand. Auf der Couch vor dem Fernseher bietet er/sie dir eine Fußmassage an.

  3. Heute Abend kommt dein/e Partner/in zu dir und sagt: „Diese Woche hole ich die Kinder von Schule und Kita ab.“ Außerdem bemerkst du, wie er/sie ungefragt die Spülmaschine ausräumt, das Wohnzimmer aufräumt, den Müll runterbringt, die Wäsche abnimmt und bügelt. Am Samstag fragt er/sie: „Welche Projekte hast du eigentlich im Moment? Wie kann ich dir dabei helfen?“

  4. Am Samstag Morgen sagt dein/e Partner/in zu dir: „Dieses Wochenende wird ein romantisches Wochenende. Ich habe den/die Babysitter/in bestellt und wir gehen zusammen spazieren. Wir machen ein gemeinsames Picknick und du erzählst mir, wie es dir momentan so geht.“ Am Sonntag sagt er/sie: „Ich habe eingekauft, lass’ uns zusammen kochen.“ Am Montag holt er/sie dich von der Arbeit ab, nur um mit dir zusammen nach Hause zu fahren.

  5. Heute Abend kommt dein/e Partner/in von der Arbeit nach Hause und hat wunderschöne Wiesenblumen mitgebracht. „Ich habe einen Spaziergang gemacht und an dich gedacht.“ In der Woche darauf bringt er/sie dir deine Lieblings-Süßigkeit mit. Außerdem wird er/sie, wann immer ihr mehr als einen Tag getrennt seid, ein Souvenir mitbringen, das beweist, wie gut er/sie deine Vorlieben kennt und wie genau er/sie sich an eure schöne gemeinsame Zeit erinnern kann.

 

Wenn du eine dieser fünf Situationen zur Realität machen könntest, welche wäre das? Was denkst du, welche dein/e Partner/in wählen würde? Das ist schon ein erster Hinweis auf deine Muttersprache der Liebe. Chapman identifizierte als Sprachen die Worte der Anerkennung (1), Berührung (2), Unterstützung (3), gemeinsame Zeit (4) und Geschenke (5).

 

Du kannst dir dein Bedürfnis, geliebt zu werden, wie einen Tank vorstellen. Dass du dich verliebt hast und der/die Angebetete dich erhört hat, befüllt den Tank erst einmal für einige Jahre. Doch dann beginnt er langsam, sich zu leeren. Dann wird es wichtig, dass dein Tank in deiner Sprache regelmäßig wieder aufgefüllt wird.

 

Was mir besonders gut an dem Konzept gefällt, auch wenn es nicht wissenschaftlich untersucht ist: hier wird nicht tiefenpsychologisch hinterfragt, aus welchem persönlichen Defizit heraus man einen Mangel empfindet, sondern es wird einfach davon ausgegangen, dass Bedürfnisse menschlich sind und in einer liebevollen Beziehung (ein Stück weit; ausreichend) erfüllt werden können. Kein Bedürfnis ist geringer oder mehr gerechtfertigt als ein anderes.

 

Es ist keine Pflicht, die Liebes-Sprache des/r Anderen zu sprechen, aber eben eine wichtige Information: „Alle Aufmerksamkeiten sind schön, aber diese eine Sache bewirkt, dass ich mich wirklich geliebt fühle und das bekomme, wonach ich mich in einer Beziehung sehne.“

 

Und da zwei Partner/innen leider selten dieselbe Sprache der Liebe sprechen, weist Chapman zu guter letzt darauf hin, dass fehlendes Verständnis keine Ausrede mehr ist: Wenn man eine Sprache nicht versteht und nicht sprechen kann, muss man sie eben durch mehr Aufmerksamkeit, Nachfragen und ständige Wiederholung erlernen.

 

Wem das zu aufwändig erscheint, für den noch dieser Hinweis: Ist es nicht herrlich ökonomisch, eventuell sogar weniger für deine/n Partner/in zu tun als bisher, dabei aber seinen/ihren Tank dennoch schneller zu befüllen?

 

Bild zur Meldung: Deine Sprache der Liebe