Link verschicken   Drucken
 

Die Kinder zu unbeschwerten Menschen heranwachsen lassen?

25.08.2017

Es gibt einige ungeschriebene Regeln, die Familien oft befolgen. Zum Beispiel:

 

  • Beide Eltern sollten in Erziehungsfragen übereinstimmen.

  • Kinder sollen es nicht mitbekommen, wenn Eltern streiten.

  • Unangenehme Familienereignisse sollen möglichst vor den Kindern geheim bleiben.

 

Folgende Überlegung spielt hier hinein: „Was Kinder nicht sehen und nicht hören können, wird sie auch nicht beeinflussen oder ihnen schaden.“ Das ist ein netter Gedanke, aber kein sehr realistischer.

 

Die Familie ist eine Insel der Intimität, des Lernens, der Fürsorge, der Identitätsbildung, des Ausruhen und der Freude. Aber auf dieser Insel sind die Regeln des Lebens nicht ausgehebelt.

 

Ein schockierendes Beispiel aus dem richtigen Leben geht folgendermaßen: Die fürsorglichen Eltern informierten die Kinder nicht über den bevorstehenden Umzug von einem Kontinent zum anderen. Sie schickten sie zu den Großeltern. Als das Ende der Ferien nahte, beruhigten sie die Kinder: „Keine Sorge, ihr gewöhnt euch schnell um, alle eure Sachen sind so wie sie vorher auch waren, schaut!“ Die Kinder waren nicht ein einziges Mal traurig vor dem Umzug und haben nicht gesehen, wie ein vertrautes Zuhause auseinandergenommen und in Kisten verpackt wird - ist das nicht eine saubere und umsichtige Lösung?

 

Sie ist sauber in dem Sinne, dass die Eltern oberflächlich ein reines Gewissen haben konnten, solange die Kinder nicht wussten, was los ist. Sie mussten sich nicht mit Fragen, Vorwürfen und Trauer der Kinder auseinandersetzen. Aber das Gefühl, an einem Ort in Sicherheit zu sein, ist für die Kinder wohl für immer zerstört worden.

 

Kinder lernen nicht, mit dem Leben umzugehen, indem wir ihnen eine heile Welt vorspielen. Kinder lernen von uns am Modell. Wir sind ihre Vorbilder. Wenn sie nicht als Kinder von uns aus der Anschauung lernen, was es heißt, wütend zu sein, eine Auseinandersetzung zu führen, einen Verlust zu betrauern, oder sich zu verabschieden, dann werden sie es lernen, wenn sie sich mit 30 Jahren scheiden lassen, weil sie nicht wissen, dass eine Beziehung manchmal schmerzhaft ist. Mit 30 Jahren trauern zu lernen, ist, wie mit 30 Jahren laufen zu lernen. Es ist nicht unmöglich, aber so viel schmerzhafter als nötig, und ein Großteil des Lebens ist verpasst.

 

Lassen Sie ihr Kind Teil ihres Lebens sein, auch wenn das Leben hart ist. Wenn Sie weinen, erklären sie warum sie weinen. Wenn Sie wütend sind, sagen Sie was Sie wütend macht, und wie sie sich beruhigen werden. Schicken Sie sie nicht weg, wenn Sie mit ihrem Partner streiten. Nehmen Sie sie zur Beerdigung mit und erklären sie, was dort vor sich geht. Das Leben kann wirklich hart sein, und Ihr Kind braucht Sie an seiner Seite, wenn es passiert.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Die Kinder zu unbeschwerten Menschen heranwachsen lassen?