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Abhängigkeit

15.05.2018

Reisende Ehepartner* (MAP-MitAusreisende Partner) sind in einer heiklen Lage. Auf der einen Seite haben sie ein ideales Leben. Ihr Ehepartner verdient das ganze Geld für Sie. Es reicht, um auch im Ausland eine gute Schule für die Kinder zu bezahlen und es reicht, um ihnen eine ganze Menge Luxus zu ermöglichen, wie zB. viel Freizeit, Reisen oder Besuche in edlen Restaurants und fröhliche Partys in geräumigen Gärten. 

 

Andererseits sind die Möglichkeiten, eigene Träume zu verwirklichen, sehr begrenzt und oft auf eine recht kleine Welt beschränkt, in der man nur eine oder zwei Rollen hat: vielleicht Elternteil sowie Ehepartner des "wichtigen" arbeitenden Partners. Oft hindert auf einem Cocktailempfang nur der Anstand das Gegenüber daran, sich von ihnen abzuwenden, wenn es entdeckt, dass sie "nur der Ehepartner" sind.

 

Dies kann zu Minderwertigkeitsgefühlen, Langeweile und mangelnder Erfüllung führen, gepaart mit Wut auf sich selbst, weil man so undankbar ist. Mitausreisende Männer haben das zusätzliche Problem, die Gastgeber-Gesellschaft mit einer neuen Rolle zu überfordern, die sich erst in jüngster Zeit in der Geschichte der Menschheit gezeigt hat: dem mitreisenden Mann, der der Frau den Rücken freihält. (Von einem Mann, der einem Mann den Rücken freihält, ganz zu schweigen.) 

 

Wie gehen wir damit um?

 

Wir trinken zu viel Alkohol. Wir haben Affären. Wir benehmen uns, als wären wir 18 Jahre alt und jede Party wäre der Spaß des Lebens. Wir reisen die ganze Zeit und verlieren den Kontakt zu einer gleichmäßigen, heimatlichen Form des Alltags. Das sind verständliche Lösungen, no judgement (ich tanze selbst sehr gern), aber sie können einen unerfüllt lassen, da sie unser existentielles Bedürfnis, für die Gemeinschaft von echtem Wert zu sein, nicht stillen können.

 

Erkennen Sie die Situation, in der Sie sich befinden. Geben Sie ihren Gedanken und Gefühlen etwas Struktur. Manche Leute schreiben gerne, andere reden gerne mit einem alten Freund. Dann gibt es immer die Möglichkeit, sich professionelle Hilfe zu holen, zB. bei einem gut qualifizierten Berater online, der sich idealerweise mit dem Thema auskennt.

 

Zweitens, klopfen Sie sich selbst anerkennend auf die Schulter. Es ist nicht ihre Schuld und auch nicht die Schuld ihres Partners. Sie haben bis zu diesem Zeitpunkt Ihr Bestes gegeben. Und Sie sind nicht allein. Die meisten MAPs fühlen sich früher oder später durch dieses Lebensmodell eingeengt.

 

Drittens, teilen Sie das, was Sie entdeckt haben, Ihrem hart arbeitenden Ehepartner mit. Ich weiß, dass sich das wie ein zusätzliches Paket für seine überlasteten Schultern anfühlt. Außerdem möchte man auch nicht undankbar klingen! Und das "Projekt Ausland" muss gelingen, Sie wollen Ihren Ehepartner nicht verärgern - es besteht ein großes Risiko.

 

Der Partner allerdings arbeitet auch deshalb so hart, weil er denkt, dass Sie mit ihrem Lebensstil glücklich sind. Er rollt vielleicht mit den Augen anhand Ihres Alkoholkonsums oder anhand der Zeit, die Sie auf what's app mit dem anderen Geschlecht verbringen und fragt sich, was daran bitte für Sie attraktiv ist?! Ihr Partner will Sie glücklich sehen. Will wissen, was in Ihrem Leben passiert. (Und wenn nicht - dann müssen Sie sich fragen, warum Sie immer noch MAP sind.)

 

Und Viertens, aber das kommt natürlich nach den ersten drei Schritten, werden sie auch tätig. Das kann auf alle möglichen Arten und Weisen passieren. Wenn es Sie interessiert, was andere in Ihrer Situation tun, bleiben Sie dran, da dieser Artikel eine Fortsetzung haben wird.

 

Oh, und wenn Sie mit mir verbunden sind oder in der Zukunft sein wollen, finden Sie mich auf Facebook oder schreiben eine Mail und schlagen ein Thema vor, über das ich schreiben soll!

 

*es sind immer beide Geschlechter gemeint.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Abhängigkeit