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Nachricht deines vermeidenden Partners

15.11.2021

Ich halte Generalisierungen für wenig hilfreich und achte sehr darauf, meine Texte zu gendern. Es gibt jedoch eine Tendenz bei meinen Klient/innen und Follower/innen: die meisten von ihnen sind ängstlich gebunden, weiblich und haben einen vermeidenden Partner. Der heutige Blogartikel ist also für diese, meine größte Zielgruppe geschrieben.

 

Natürlich sind alle Liebenden eingeladen, diesen Artikel zu lesen, ich hoffe und denke, er ist für jede/n gewinnbringend!

 

Eine typische Beschwerde einer ängstlich gebundenen Klientin mit vermeidendem Partner lautet: „Er redet einfach nicht über seine Gefühle; er blockt mich ab. Er gibt mir nicht, was ich so dringend brauche. Wenn ich ihn darauf anspreche, sagt er: „Na dann kann ich dir wohl einfach nicht geben was du brauchst!“, oder, noch schlimmer: „Dann müssen wir eben Schluss machen!“

 

Du liebst also die Verbundenheit und die Nähe. Du sehnst dich nicht nur nach den Momenten der Nähe an sich, sondern nach der Bedeutung, die sie für dich haben. Auf diese Art geliebt zu werden, gibt dir Bestätigung, Anerkennung, und das Gefühl, in der Welt ein sicheres Zuhause zu haben, und ein begehrenswerter, wertvoller, interessanter Mensch zu sein. Deshalb ist Zurückweisung, und sei sie noch so unbedeutend, so besonders schmerzhaft.

 

Was wäre, wenn du deinen Partner einmal durchrütteln könntest, und er dir eloquent antworten würde?

 

Ich habe meinen vermeidenden Partner vor einigen Wochen auf einem Spaziergang lange interviewt und ihn gefragt, welche Hinweise er für ängstlich Gebundene hat. Bist du bereit? Heute stellt zur Abwechslung mal dein vermeidender Partner die Fragen, und du sollst Antworten finden. Er hat mir gesagt: „Wechsle doch mal die Perspektive und sieh’ die Situation mit meinen Augen!“

 

  • Es wird Immer Teamwork sein, ich kann dir alleine nichts beweisen! „So wie du auf mich zugehst mit deinen Forderungen, erzeugt das bei mir einen riesengroßen Druck. Ich spüre deine existentielle Angst. Ich kann dir diese Angst nicht alleine nehmen. Dazu müssen wir zusammenarbeiten.“

 

  • Vertrau’ mir! „Du kannst mir vertrauen. Du sagst immer, du kannst es nicht. Naja, wenn du mir kein Vertrauen entgegenbringst, dann habe ich von vornherein keine Chance. Und genau dieses Gefühl gibst du mir oft, gar keine Chance zu haben.“

 

  • Was schätzt du an mir, abgesehen von Liebesbeweisen? „Die Motivation, mit mir um meinetwillen zusammenzusein, kann ich dir nicht geben. Warum bist du mit mir zusammengekommen? Was liebst du an mir, unabhängig von dem, was ich dir geben kann?

 

  • Ersetze den Wunsch nach Kontrolle mit liebevoller Neugier! „Du kannst mich nicht kontrollieren, auch wenn es dir dein Leben vereinfachen würde. Ich habe meinen eigenen Kopf. Interessierst du dich für den?“

 

  • Lade mich ein! „Ganz oft ziehe ich mich zurück, nicht weil ich es will, sondern weil ich es nicht besser weiß. Lade mich ein. Das kannst du doch so gut.“

 

Was machen diese Worte mit dir? Machen sie dich wütend, neugierig, gibt es eine neue Erkenntnis? Ich erinnere mich, dass meine Mutter mal eine Liste mit Forderungen an ihren Partner geschrieben hat. Ich weiß, warum sie das gemacht hat. Sie wollte Sicherheit, sie hatte keine Lust mehr auf Enttäuschung. Dennoch - niemand wird gerne genötigt, bestimmten Erwartungen zu entsprechen, und Vermeidende reagieren darauf regelrecht allergisch. Welche neuen Wege kannst du finden, auf deinen vermeidenden Partner zuzugehen?

 

Bild zur Meldung: Nachricht deines vermeidenden Partners